Whistler – der Winter kann kommen!

Hey Leute, ich bin endlich an meinem grössten Ziel, das ich für Kanada hatte, angekommen: Whistler Blackcomb!!!

Der Gedanke, den ganzen Winter in dem besten und bekanntesten Skigebiet von Nordamerika zu verbringen, zaubert mir jeden Tag von neuen ein Lächeln auf die Lippen. Wie ich in meinem letzten Bericht bereits angekündigt habe möchte ich heute mal über die Bedingungen die ich hier in Whistler vorfinde erzählen.

Nachdem ich im August bereits die Zusage bekommen habe als vollzeit Schilehrer den Winter in Whistler arbeiten zu können, war für mich klar wo es hingehen soll. Ich hatte zwar noch einige andere Jobangebote für sehr gute Schigebiete in Kanada zu ähnlichen Konditionen, allerdings ist Whistler schon alleine vom Namen her das Aushängeschild von Kanada. Spätestens nach den Olympischen Winterspielen 2010, als viele Ski-, Bob- und Biathlonwettkämpfe hier stattgefunden haben. Schon in dem Vorstellungsgespräch für den Job habe ich angegeben, dass ich gerne eine Mitarbeiterunterkunft nehmen will. Die Registrierung für ein Zimmer ging dann auch alles über das Internet. Vor gut einer Woche bin ich dann also in eines von 8 Häusern die jeweils ca 40 Apartments enthalten eingezogen. Japp, und alle arbeiten für Whistler Blackcomb. Der Arbeitgeber ist quasi für das gesamte Schigebiet, vom Liftpersonal, über Schilehrer, Rettungsteam bis hin zu den Restaurantangestellten verantwortlich. Alleine 1200 Schilehrer arbeiten in der Hauptzeit für Blackcomb. Das heist nicht alle Angeste

llten haben am ende einen Platz in einem der Mitarbeiterhäuser und müssen ein vielfaches der Miete in einer eigenen Unterkunft zahlen. Für mein Apartment, ein 4 Personen Apartment mit zwei Schlafzimmern, Wohnzimmer und Küche bezahle ich nur 330 $. Ich Teile mir zwar mein Zimmer mit einem Kollegen, aber das ist in Ordnung. Für die gleichen Wohnverhältnisse bezahlen andere hier in Whistler weit über 900$ pro Monat.

Wohnzimmer in der Mitarbeiterwohnung!

Wohnzimmer in der Mitarbeiterwohnung!

Als Angestellter von Whistler Blackcomb hat man weiterhin jede Menge Vorteile wie z.B. Fitnessstudio im Haus, kostenlosen Saison Liftpass der sonst über 2000 $ kostet, kostenlose Teilnahme an allen Ski- und Snowboard kursen auch im Gelände und vor allem jede Menge Rabatt in fast allen Lokalen der Stadt. Ich bin mir nicht sicher was das Beste ist, aber die 2 $ Eintritt für Freizeitpark mit Schlittschuhfläche, Schwimmbad, Sauna und Fitnessstudio oder dass wir beim Helikopter Schifahren für 5 Flüge nur 450 $ anstatt 1200 $ bezahlen!? Was denkt ihr?

In dem Sportzentrum war ich bisher schon einige male. Ich habe mir noch in Vancouver ein paar gebrauchte Eishockey Schuhe und einen Schläger besorgt, so dass ich die Mietgebühr spare. Mit den Skates war ich schon 3 mal Eishockey spielen. Wie ich finde ein richtig geiler Sport: Super Athletisch, Schnell, und Hart. Es gibt kein Gehäule oder Schauspielern. Allerdings habe ich auch ein bisschen angst vor Verletzungen, denn erst beim letzten mal ist einer mit dem Gesicht auf das Eis geknallt und hat sich ne fette Platzwunde über die ganze Stirn zugezogen. Und eine Verletzung die mich im Skifahren einschränkt wäre der Horror!

Nachwuchs Hockey Spieler im Meadow Park!

Nachwuchs Hockey Spieler im Meadow Park!

Ansonsten möchte ich ganz kurz auf die Materialien eingehen die ich mir geleistet habe. MATERIAL!!

Aber wie sich jeder vorstellen kann, ist für das ganze Zeug auch jede Menge Geld drauf gegangen. Und nebenbei habe ich einen Winter-Check für mein Auto mit ölwechsel und allem drum und dran gemacht, musste die Autoversicherung für die nächsten 6 Monate bezahlen und bin ja die letzte Zeit auch ohne Einkommen nur gereist. Was das am Ende bedeutet muss ich ja keinem erzählen. Um die Auswirkungen wieder in den Griff zu bekommen bin ich gerade auf der Suche nach einem Job für November, den ich dann als Teilzeit neben dem Skilehrern ab Dezember weitermachen kann. Irgendwie muss sich ja Helikopter Schifahren und Hawaii im Frühling finanzieren. Denn wie in Österreich wird man von dem Gehalt als Schilehrer auch hier nicht reich. Durch meine Lizenz und die Erfahrungen in den Alpen komme ich auf 15,50 $ pro Stunde für Gruppen- und auf 22,50 $ pro Stunde bei Privatunterricht und scheine damit einer der besser bezahlten Jobs für Whistler Blackcomb zu haben. Allerdings ist das wichtigste die Vorteile wie Wohnung und kostenloser Skipass. Allerdings schadet es auch nicht 2 Tage die Woche ab 18 Uhr in einer Bar zu Kellnern oder so. Bei den ersten Bewerbungen bin ich auch schon bis zu einem Gespräch gekommen, Bei Mc Donalds würde ich zum Beispiel auch 10,50 $ pro Stunde bekommen und hätte super flexible Arbeitszeiten. Mal schauen was daraus wird!
Update: Ich arbeite seit circa einer Woche an der Kasse bei Mc Donalds und die Arbeitszeiten sind super flexible. Mit dem Manager habe ich vereinbart, dass ich zwei bis drei Abende die Woche von 18 Uhr an bis 2 Uhr morgens aushelfen kann. Der Job ist relative einfach und durch die Gespräche mit den Kunden kann ich mein Englisch verbessern.

Auserdem bin ich dadurch auch Teil des ausergewöhnlichen Kundenservice und Kundenfreundlichkeit die man hier in Kanada vorfindet. Ich kann mich noch ziemlich gut daran erinnern wie es an der Kasse bei Aldi oder Rewe oder jedem anderen Lebensmittelgeschäft in Deutschland abläuft. Grosse Schlange vor dem Band, da nur eine Kasse besetzt ist. Die Ware wird so schnell über den Scanner geschoben, dass man am Ende gar nicht mit einpacken nachkommt und die Einpackfläche ist so klein, dass alles hinten runter fällt. Und zu guter letzt wird man noch blöd angeschaut, wenn man nicht gleich das Geld oder die Karte bereit hat sondern erst seine Sachen in ruhe einpacken möchte.
Ich traue mich gar nicht euch zu verraten wie das hier in Kanada abläuft. Man wird mit einem freundlichen “Hi, wie gehts dir heute” begrüsst und die Kassiererin nimmt sich zeit für ein Schwätzchen mit dir, da genügend Kassen besetzt sind, dass keine Warteschlange entsteht. Ausserdem sind moistens zwei Personen an einer Kasse, die ein scannt die Ware und die zweite packt einem den Einkauf in seine oder eine kostenlose Supermarkt Tüte. Mit einem freundlichen “Ich wünsche dir noch einen schönen Tag” wird man dann total entspannt vom Einkauf verabschiedet. Und man geht nicht schlecht gelaunt aus dem Supermarkt. Diese Mentalität habe ich mir auch schon versucht so gut wie möglich anzugewöhnen und den Kunden bei MC Donalds zu vermitteln.
Ein Foto wie ich an der MC Donalds Kasse stehe werde ich dann beim nächsten mal presentieren.

Ok weiter mit den Materialien: Tamara hat in einem Koffer von meinen Eltern viele kleine Wintersachen mitgeschickt die relative teuer sind und ich mir nicht extra zulegen muss (Helm, Skibrille, Skihosen, Handschuhe, Skischuhe, Snowboardschuhe, Strümpfe und Skiunterwäsche). Also fehlen ja nur noch Skier, Skijacke, Stöcke, Lawinenausrüstung …
Das wichtigste waren die Ski. Da man hier in Kanada hauptsächlich mit viel unpräparierten Pisten und Tiefschnee rechnen muss, wollte ich mir ein paar breite powderski kaufen. Dazu eine Touring Bindung und Steigfelle um auch mit den Ski wandern zu können. Beim Vorsaison ausverkauf in Whistler bin ich dann auf einen guten Deal für einen K2 shreditor mit 112 mm breite unter der Bindung gestossen. Da es für Tiefschnee ist habe ich den Ski in einer länge von 190 cm genommen. Der K2 hat einen Tip Rocker, was bedeutet (Für alle die nicht in der Ski szene sind), dass er relativ weit in der Mitte anfängt sich nach oben zu biegen um im weichen Schnee genug Auftrieb zu bekommen. Man schwebt dann quasi auf dem Pulver Schnee.
Zu dem Powder Ski hat sich dann noch ein kurzer Slalom Rennski von Fischer gesellt, den ich gebraucht bekommen habe und wahrscheinlich für den Unterricht der Kinder nehmen werde und ein sehr alter Retro Ski von Völkl. Jetzt fehlen nur noch die Steigefelle und ein Lawinen Verschütteten Suchgerät. Schaufel und Sonde habe ich bereits gemeinsam mit einem Rucksack als package bekommen.
Ausserdem habe ich mir Schlittschuhe gebraucht gekauft und eine Skijacke im Outlet Store in den USA für gerade mal 70 Euro.

K2 Powder Ski und die Hockey Skates!

K2 Powder Ski und die Hockey Skates!

Old School Völkl Ski

Old School Völkl Ski

Skilehrer Uniform von Whistler Blackcomb!

Skilehrer Uniform von Whistler Blackcomb!

In meinem Video Blog gibt es einige neue Ski Videos zu bestaunen (http://paul-weitz.de/?cat=5):

  • Ski School Fürstauer Video aus der letzten Saison
  • Ein Ski- und Snowboard Video das ich selber zusammengeschnitten habe
  • Afterglow – ein revolutionäres Skivideo in der Nacht

Am Samstag machen die ersten Lift hier in Whistler auf. Durch ordentlichen Naturschnee in den höheren Lagen vor einigen Wochen und den kalten Temperaturen in der letzten Woche, in der sie Kunstschnee produzieren konnten, herrschen am Gipfel wohl gute Bedingungen. Wer es nicht glaubt kann ja mal die WebCam checken: http://www.whistlerblackcomb.com/the-mountain/web-cams/index.aspx.
Die Vorfreude auf die Arbeit als Skilehrer ist unbeschreiblich gross. Vor allem weil die Kinder hier ganz anders sind als in Europa. Kennt man die meisten Kinder im Alter von 8-12 Jahren doch eher als verschlossen und zurückhaltend, sind die Kids hier ganz anders erzogen. Die Kinder gehen offen und unvoreingenommen auf fremde Personen zu, fragen nach dem Weg oder ob sie einem helfen können. Und das ist für den Skiunterricht natürlich auch gut, wenn die Kids untereinander schon freundlich und offen miteinander umgehen.
Die Vorbereitungen laufen, in der Bibliothek habe ich bereits einige Lehrbücher des kanadischen Ski Verbands angeschaut, die Ski werden heute Abend gewachst und der Pistenplan/die Lifte sind auswendig gelernt. Am 29. November habe ich mit der Skischule Einführungstage und Training.
Apropos Training, die Skischule bietet für ihre Skilehrer jeden Tag unterschiedliche Trainings an. Unter anderem können wir jeden Tag bereits um 7:30 Uhr auf den Berg um die Piste zu nutzen und fresh tracks für die man normal 20 % extra zahlen muss. Ausserdem gibt es Renntraining, Freestyle Training und sogar Training mit Gästen aus dem Weltcup Zirkus. Alles ein Rundumpaket, das ich an meinen freien Tagen so oft wie möglich ausnutzen werde.

Mein Saison Ausweis!

Mein Saison Ausweis!

Mit Foto und vielen Warnungen!

Mit Foto und vielen Warnungen!

Erster Tag im Kunstschnee, laufen auf den Hügel!

Erster Tag im Kunstschnee, laufen auf den Hügel!

Die vergangenen Wochen habe ich hauptsächlich viel Sport gemacht und mit neuen Freunden die Gegend erkundet. Ich habe echt nette Leute kennengelernt die von der ganzen Welt kommen. Aus Kanada (Ontario) kommen Kristy, Mikko und Eric, Joana kommt aus England, Dylan und Mae, Brittany, Lauren aus Australien und natürlich dürfen unsere holländischen Nachbarn Wies und Dorien nicht fehlen.

Blick auf Blackcomb Mountain vom Ufer des Alta Sees!

Blick auf Blackcomb Mountain vom Ufer des Alta Sees!

Ausflug zum Brandywine Wasserfall mit den neuen Freunden!

Ausflug zum Brandywine Wasserfall mit den neuen Freunden!

Spielen und erster Unterricht im Schnee für die Aussie Mädels!

Spielen und erster Unterricht im Schnee für die Aussie Mädels!

Am Dienstag 11.11.2014 hat mein Patenkind eine kleine Schwester bekommen. Mathilda ist das zweite Kind von meiner cousine Anika. Glückwunsch an Tino, Anika und Max Leon!!!

Ansonsten habe ich erstmal nichts weiter zu berichten. Bleibt alle Gesund und wartet nicht bis das Gluck zu euch kommt, sondern geht zu eurem Gluck!

Sport frei, paule!