Camping und die Kanadier an sich!

Hallo Leute,

da mir noch einiges auf dem Herzen liegt, das ich euch gerne mitteilen möchte und vor allem was ich für mich selber festhalten will, gibt es jetzt schon den zweiten Eintrag im July. Vor allem hatte ich nach dm letzten Post das Gefühl, dass ich in der Eile in der ich den Artikel geschrieben habe viel zu emotionslos über meine Zeit und Erlebnisse berichtet habe.

Es ist einfach unbeschreiblich wie froh ich bin, dass ich mir dieses Abenteuer Kanada ermöglicht habe! Am Morgen wenn ich aufwache und aus dem Fenster schaue, beim wander, schländern durch die City, entspannen am Strand oder auch auf dem nächtlichen Heimweg von der Arbeit auf dem Skateboard denke ich mir immer in was für einer geilen Stadt ich gerade lebe. Dieser Zusammenklang zwischen dem Ozean, der Stadt mit Hochhäusern, einem rießigen Park und den Bergen mit Regenwald ist wahrscheinlich einzigartig auf der Welt. Man bekommt keinesfalls das Gefühl, dass die jeweiligen Abschnitte total abgegrenzt sind, nein irgendwie geht alles fließend inneinander über. Wundervoll !!!
Hier auf der Abstraktion ist das Zusammenspiel ziemlich gut zu sehen:

big-city-adventure-vancouver_3_bigWeiterlesen ->

Zu all dem kommen noch die Menschen und die Verhaltensweisen der Kultur. Es gibt so viel interessantes zu erzählen was hier anders ist als in Europa oder Deutschland.
Bus fahren: Während in Europa für gewöhnlich in einer geballten Menschentraube an der Haltestelle auf den Bus gewartet wird und dann gleichmäßig reingedrängelt wird, gilt hier das ungeschriebene Gesetz, wer zuerst an der Haltestelle war, der darf auch zuerst einsteigen um sich den besten Platz zu sichern. Das heißt braves Warten in einer Reihe die sich manchmal um den ganzen Block schlängelt! Bezahlt wird direkt beim Fahrer in einem Automaten der nur Kleingeld annimmt und nicht wechselt. Das heißt man sollte die 2,75 $ passend haben. Weiterhin ist ständiges umsetzen der Passagiere im Bus üblich, man möchte ja den besseren Platz von dem Typen der vor einem in der Reihe wartete haben. Wiederum richtig nett finde ich das obligatorische “thank you” zum Busfahrer beim verlassen des öffentlichen Verkehrsmittels.
So oft entschuldigen wie es geht: “Sorry”, ist das Wort was die Leute hier glaube ich am meisten benutzen. Egal ob man jemandem leicht beim vorbeigehen berührt oder jemand warten muss weil man aus dem Fahrstuhl aussteigt, es wird sich immer und überall entschuldigt.
Events: Von kostenlosem Open Air Kino bis hin zu athemberaubenden Feuerwerken und Paraden bietet die Stadt im Sommer den Bürgern so viel.
Tinder: Eine Handy-Dating-App! Sehr beliebt ist hier in Nordamerika eine Handy App mit der man nette Bekanntschaften machen kann. Und es ist überhaupt nicht verpöhnt, sondern sehr angesehen für Leute die viel beschäftigt sind und wenig Zeit haben in Bars Leute zu treffen. Das Prinzip ist ebenso einfach wie genial. Man erstellt ein Profil mit Fotos und einer kurzen Beschreibung von sich, gibt an in welchem Unkreis und Altersbereich man jemanden kennenlernen möchte und los gehts. In der App erscheinen dann Profile von anderen Personen (in meinem Fall weiblich und im Umkreis von 20 km) anhand der Fotos entscheidet man dann ob man die Person mit “HOT” or “NOT” voted. Das ist aber nur der erste Teil, denn nur wenn die Person dich auch mit “HOT” bewertet hat, dann hat man eine Übereinstimmung und kann in Kontakt treten. Gibt es in Europa auch schon, ist aber noch nicht so weit verbreitet.
Toleranz: Vancouver ist eine sehr saubere Stadt und hat wenig Ghettos, allerdings gibt es auch hier einige Obdachlose. Denen wird hier aber auch Achtung geschenkt und einige sind echt kreativ. Erst letztens habe ich wieder gesehen wie eine Dame eine Tüte Brot einem schlafenden Obdachlosen an die Seite gelegt hat. Diesen Obdachlosen finde ich auch immer richtig geil (“smile if you masturbate”): http://1.bp.blogspot.com/-H0x99YLgR3U/TyKVvBr6rmI/AAAAAAAACZE/imQFuYzHRTQ/s640/9331_ab3a_480.jpeg
Des Weiteren ist die Toleranz gegenüber Minderheiten und vor allem homosexuellen Personen nicht zu verkennen. Der Stadtteil rund um die Davie Street in der ich Arbeite ist von vielen homosexuellen bewohnt und belebt. Regenbogen-Fahnen, -Fußgängerwege und -Schaufenster. Auch in meiner Bar gibt es viele schwule Gäste und auch ein paar Mitarbeiter. Die sind aber alle so nett und überhaupt nicht übertrieben aufdringlich. Man wird einfach so akzeptiert wie man ist. Letztens war ich erst mit einem schwulen Kollegen und Freundinnen von ihm feiern und es war super cool, schwule Typen haben immer bildhübsche weibliche Freundinnen 😉
Seit dem ich in der Bar angefangen habe, lernte ich viel über die Kollegen, das Management und den Status den die Bar in der Stadt hat kennen. “Score on Davie” wurde von einigen Magazinen zu der besten Bar in West End Vancouver gevotet und genießt einen hohen Stellenwert in der Stadt. Insgesamt haben wir 65 Angestellte mit Küche und Bar, was ich schon viel finde. Der Chef möchte sich auch gerne weiter vergrößern. Allerdings ist die Belegschaft trotzdem wie eine Familie, es wird viel miteinander nach der Arbeit gesprochen und auch privat einiges unternommen, man hilft sich in allen Lebenslagen und der Chef versucht alles um die Angestellten glücklich zu stellen. Erst gestern waren wir auf einem Team-Building Trip der als Arbeitstag bezahlt wurde. Es wurden brandneue Uniformen bestellt und es sollen neue Caps mit Logo folgen.
Berühmt ist die Bar vor allem durch ihre Caesar-Drinks. Eine Art Bloody Mary aus Tomaten Saft, scharfer Souce und Vodka der dann mit Snacks garniert wird.
Unser teuerster Caesar kostet 60$ und reicht um 4 Leute satt zu bekommen (drink+hähnchen, chicken wings, hot dog, burger, zwiebelringen…) Zur Zeit arbeite ich immer 5 Tage die Woche und hatte auf meinem letzten Lohn Zettel der alle 2 Wochen kommt 80 Stunden zu verbuchen. Bei einem Stundenlohn von 10,50 $ ist das ganz ok, wenn man beachtet, dass ich keine Ausgaben für Nahrung habe. Hier ein Foto von unserem Caesar:

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Letzte Woche habe ich an meinen zwei arbeitsfreien Tagen endlich meinen Camping Van endlich in die Natur ausgeführt. Ziel war der Golden Ears Provincial Park mit dem Aloutte Lake und einem Wasserfall im Canyon. Ursprünglich wollte ich mit einem Arbeitskollegen fahren, der dann aber kurzfristig abgesprungen ist. Alleine und ohne Kompromisse eingehen zu müssen bin ich dann also losgezogen und habe die Stunde Autofahrt auf mich genommen.
Der Park ist sehr geschützt und es führt nur eine Straße durch ein Tor hinein, welches zwischen 23 Uhr und 7 Uhr auch geschlossen wird. In dem Park gibt es 3 Camping Plätze und ätliche Tagesparkplätze.
Es war Traumhaft den See mit den Bergen im Hintergrund zu genießen und am Abend meinen kleinen Grill am Strand anzuschmeißen. Einfach ein Gefühl von Freiheit und Freude. Am zweiten Tag habe ich mich direkt aus meinem Auto auf eine Wandertour begeben in Richtung Wasserfall. Auf einem kleinen Trail der sich am Flussbett des Canyon entlang schlängelte ging es ca eine Stunde Flussaufwärts. Ich hätte echt weinen können vor Freude, ohne wirkliche Verpflichtung in der Natur zu Campen und einen Wandertrip zu starten wann immer mal will, ohne auf jemanden warten zu müssen oder durch irgendetwas eingeschränkt zu sein. Das ist Leben meine Freund 😀
Etwas mulmig war es allerdings schon ganz alleine, vor allem Nachts in mitten der Natur zu übernachten. Denn um Geld zu sparen habe ich nicht auf einem der Camping Plätze eingecheckt sondern einfach irgendwo geparkt. Wenn man dann in der dunkelheit mal für kleine Jungs muss und man weiß das in dem Wald Bären und Wölfe leben ist das schon etwas beängstigend gewesen.
In der ersten Nacht wurde ich um 2 uhr morgens auch noch von Park Rangern geweckt und gebeten den Park zu verlassen, weil ich auf einem Tagesparkplatz übernachtet habe, was die nicht wollen. Also bin ich zur Schranke gefahren und der Park Ranger dort hat mir angeboten, dass ich direkt hinter der Schranke neben seinem Häuschen parken kann. In der zweiten Nacht habe ich mich dann einfach auf den Besucherparkplatz des Camping Platzes gestellt und es hat keinen gestört, da dort auch noch weitere Wagen geparkt haben.

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Ansonsten rückt der Roadtrip immer näher und in zwei Wochen starte ich dann Richtung Rocky Mountains, danach Vancouver Island und schließlich vielleicht noch Richtung Alaska. Für den Trip werde ich in der nächsten Zeit noch einiges organisieren müssen und eine kleine Einkaufsliste abarbeiten (Angel, Reißzwecken, Schlafvorhang, Gaskartuschen usw.). Ich bin auch noch auf der Suche nach Reisebegleitung, da die Benzinkosten die einen extremen Teil der Gesamtkosten ausmachen werden geteilt werden könnten. Also wenn ihr jemanden kennt 🙂

Eine weitere erfreuliche Sache gibt es noch in Sachen Winter Job. Ich habe mich bisher in zwei Ski Resorts als Skilehrer beworben und auch bereits sowohl von Whistler als auch von Big White eine Rückmeldung bekommen, dass sie interessiert sind. Big White hat mich zu einem Job Interview eingeladen. Von vielen Einheimischen habe ich auch gehört, dass dieses Skigebiet zum Arbeiten etwas besser ist als Whistler, da nicht der ganz große Ansturm herrscht und der Schnee besser ist. Also hoffen wir das Beste und ich werde noch weitere Bewerbungen schreiben!

Super angenehme Grüße aus dem wundervollem Vancouver!

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