Vancouver Island – Ein Outdoor Paradies!

Den kompletten Monat September habe ich auf Vancouver Island im pazifischen Ozean verbracht. Hier ein paar Dinge die die Insel zu bieten hat und was ich auf der Reise erlebt habe:

Victoria (Hauptstadt von British Columbia), Camping am Strand, Surfen, West Coast Trail, Kajaking, Walbeobachtung, Höhlenerkundung, Klippen springen uvm.

Vor fast genau einem Monat startete ich meinen zweiten großen Roadtrip hier in Kanada, es ging nach Vancouver Island. Die Insel befindet sich vor der Westküste von Kanada Weiterlesen ->  und ist doppelt so groß wie Thüringen, allerdings leben nur weniger als die hälfte der Einwohner von Thüringen auf der Insel. Daran kann man schon erkennen, dass mich viel Natur erwartete. Um auf die Insel zu kommen musste ich ca. 20 min mit dem Auto zu dem Fährhafen in Tsawwassen fahren. Anstellen um ein Ticket zu bekommen und drauf ging es auf die Fähre. Die Fahrt hat ca 1,5 Stunden gedauert und mit Auto hat mich das Ticket ca. 70 CA $ gekostet. Leider war ich durch die Vorbereitungen und Einkäufe etwas spät dran und habe erst die 21 Uhr Fähre bekommen. “Leider”, da die Route inzwischen vieler kleiner Inselgruppen bis hin nach Victoria sehr idyllisch ist und man in der Dunkelheit wenig sehen konnte. Durch die Erfahrungen von dem ersten Roadtrip wusste ich in etwa was ich noch einzukaufen hatte, allerdings musste ich mich auch für die 7 tägige Wanderung auf dem West Coast Trail eindecken. Dafür habe ich einen kleineren Gaskocher, ein leichtes Zelt und eine Art Astronauten Nahrung besorgt. Das alles gab es relativ günstig in Canadian Tire zu kaufen, eine Mischung aus Baumarkt-/Outdoor-/Sport-Geschäft, mit anderen Worten ein großer Männer-Spielplatz.

So einen richtigen Plan was ich wann auf der Insel machen wollte, hatte ich nicht. Ich wusste nur, dass ich nach ein paar Tagen in Richtung Tofino fahren wollte um dort surfen zu gehen. Tofino ist ein bekannter Surferort an der Westkuste, in dem Suse, eine andere deutsche Reisende, arbeitet und mit der ich dann den West Coast Trail wandern wollte. Aber auf der Fährüberfahrt bewahrheitete sich mal wieder, dass es als Reisendere am Besten ist keine festen Pläne zu haben, da sich die meisten Dinge von ganz alleine ergeben. Auf dem Sonnendeck habe ich mich mit einer Kanadierin über das Skifahren in Whistler und den Rockies unterhalten. Sie stammt ursprünglich von einer Pferde Farm in Calgary und studiert jetzt Biologie an der Uni in Victoria. Im Verlauf des Gesprächs hat sie mir dann erzählt, dass sie am nächsten Tag mit Freunden zum Campen an einen versteckten Strand fährt und ob ich nicht Lust hätte mitzukommen. Alles klar, nach der Nacht im Auto in einem Park von Victoria spontan zum Frühstück in die WG von Marion gefahren.

Blick aus meinem Hotel- äh Autofenster!

Blick aus meinem Hotel- äh Autofenster!

Nach einer ordentlichen Portion Rührei und Bacon sind wir dann 1,5 Stunden zum Sombrio Beach gefahren. Nach ca 20 min Wanderung vom Parkplatz aus sind wir dann zu dem Strand gekommen bei dem ich das erste mal die Schönheit von Vancouver Island bewundern konnte. Neben steilen Klippen, einen tollen Sandstrand und viele neue Gesichter mit denen ich mich auch schnell anfreundete. Das eiskalte Wasser des Ozeans hat uns aber nicht vor einem kurzen Bad abgehalten. Im weiteren Verlauf haben wir auf einer kleinen Wanderung zu einem Wasserfall gelangt, der direkt ins Meer “fällt”. Außerdem ließen wir den Abend mit Lagerfeuer, Würstchen, einigen Bier und einer FKK Runde im Mondschein (hier auch gerne “skinny dipping” genannt 😉 ausklingen. Die anschließenden Bilder sagen sicher noch einmal etwas mehr über diesen Ausflug.
Am nächsten Tag sind wir auf der Rückfahrt nach Victoria noch bei Shawn vorbeigefahren, der uns zu einer Runde schwimmen in seinem Pool eingeladen hat. Er züchtet auf einer kleinen Range mit seiner Freundin deutsche Schäferhunde, die allerdings mit einem sehr flachen Rücken etwas anders ausschauen als in Deutschland.

Sombrio Beach und der Wasserfall

Sombrio Beach und der Wasserfall

An den darauffolgenden Tagen habe ich mir die Stadt Victoria noch etwas genauer angeschaut (inner Harbour, Mount Tolmie, Beacon Hill Park), Tagesausflüge zu Seen gemacht (Thetis Lake mit dem wohl höchsten Klippensprung den ich je gemacht habe), mit Helen Volleyball gespielt und ein paar coole Sonnenuntergänge erlebt. Als Unterkunft wurde mir von Marion und ihren Mitbewohnern ihr Haus angeboten, das ich natürlich dankend angenommen habe 🙂

Ich bin echt so froh, dass ich mich damals entschieden habe, ein Auto zu kaufen. Durch die weiten Strecken und oft abgelegenen Sehenswürdigkeiten ist es notwendig einen fahrbaren Untersatz zu haben. Man ist einfach flexibler, kann überall hinfahren und ich spare mir die Kosten für eine Unterkunft. Ihr könnt euch aber sicher denken, dass das Auto fahren hier in Kanada etwas anders ist als in Deutschland. Oh man regen mich diese Stoppschilder hier überall auf. Die kennen hier kein rechts vor links, also ist es immer abwechselnd an einer Kreuzung musst du warten und an der nächsten muss der kreuzende verkehr warten. Daneben gibt es noch die 4-Wege Stoppschilder. Das bedeutet, man fährt an die Kreuzung, hält an und der jenige der zuerst an die Kreuzung gefahren ist und anhält darf als nächstes fahren. Und alle Kanadier, selbst die Taxifahrer sind suer streng mit diesen Stoppschildern. Selbst mitten in der Nacht wenn man Meilenweit in beide Richtungen schauen kann, bleiben die permanent wie vorgeschrieben stehen. Ich denke die Nordamerikaner brauchen ihre festen Regeln und können mit einer Grauzone wie Vorfahrt gewähren nicht umgehen, zu kompliziert für die. Und Kreisverkehr gibt es hier sowieso nicht. Mit den Autobahnen in Deutschland kann man die Highways vergleichen, mit dem Unterschied Geschwindigkeitsbegrenzung, und zwar immer! Meistens 90 km/h manchmal lassen sie sogar 120 zu, das ist aber das höchste der Gefühle. Außerdem kann ich jetzt ein bisschen besser verstehen warum fast alle große Jeeps oder Pick Ups fahren. Die Nebenstraßen und Zufahrten zu Parkplätzen sind meistens in misserablen Zuständen und ohne Ausnahme Schotterwege. Außerdem gibt es da noch diese für uns ungewohnten Verkehrsschilder wie z.B. Achtung Tsunami gefahr – nicht stoppen, oder Lawienen bzw. Steinschlaggefahr. Auch gut fand ich: Keine Anhalter, Mitnahme von Trampern ist illegal (Das wird später noch ein Thema, da ich selber getrampt bin auf der Insel). Aber mein absolutes Highlight Verkehrsschild war vor einem Tunnel: “Sonnenbrille abnehmen!”

Klippen springen am Thetis Lake

Klippen springen am Thetis Lake

Volleyball und Beach Soccer

Volleyball und Beach Soccer

Nachdem ich die erste Woche im Raum von Victoria verbracht habe, bin ich nach 5 Tagen in den Norden nach Tofino gefahren. Bei der 4 stündigen Fahrt bin ich durch etwas größere Städte wie Duncan, Nanaimo oder Port Alberni gefahren. Angehalten bin ich aber nur am Kennedy Lake für eine Pause und am Long Beach. Der Strand liegt etwa 15 km vor Tofino im Pacific Rim Nationalpark und hat einen wunderschönen, endlos weißen Sandstrand. Tofino ist ein niedliches kleines Fischerdörfchen das durch den Surfsport extrem viele Junge Leute beherbergt bzw. arbeiten viele Junge Leute in den Hotels, so wie auch Suse. Alle Mitarbeiter sind in einem Mitarbeiterhaus untergebracht in dem ich duschen und kochen konnte sowie mein Haus/Van geparkt habe. Allerdings sollte man sich unter der Lodge nicht allzu viel vorstellen, es war ehr bescheiden und ziemlich dreckig. Die meisten Leute die dort wohnen sind jung und legen eine leichte bis starke hippie Philosophie an den Tag. Was mich allerdings sehr beeindruckt hat, ist die gemeinsame Leidenschaft für den Surfsport. Mein 18 jähriger kanadischer Freund Bradain zum Beispiel ist zu meist frühs um 5:30 Uhr aufgestanden um bei den ersten Lichtstrahlen auf dem Meer zum surfen zu sein. Nachdem er von 10 bis 17 Uhr gearbeitet hat ging es erneut mit seinem Fahrrad und dem Surfbrett an den 7 km entfernten Strand. An seinem Fahrrad hat er extra eine Halterung für sein Brett gebaut, sodass er komfortabel fahren konnte. Für meine ersten Surferfahrungen konnte ich mir ein Mitarbeitersurfboard und einen Neoprenanzug kostenlos ausleihen. Mit dem Van, in dem ich Braidan dann meistens mitgenommen habe sind wir zum Strand und haben die Wellen zusammen ausgecheckt. Nach einer kleinen Trockenübung am Strand und einer Erklärung hieß es dann try and error… Üben, Üben und nochmal üben. Insgesamt 4 Tage Surfen! Und ich muss sagen es ist ein einzigartiges Gefühl. Im Sonnenuntergang auf seinem Brett zu sitzen und auf DIE Welle zu warten, endlich loszupaddeln und zu spüren wie die Welle einen dann langsam trägt wenn man es schafft aufzustehen. Allerdings bringt dieses Gefühl jede Menge Anstrengung und Geduld mit sich. Es heißt gegen die Wellen erst einmal rauspaddeln (ist am Anfang schonmal schwierig auf einem wackeligen Brett), sobald dann die Welle kommt, umdrehen und wieder paddeln wie ein verrückter um die Geschwindigkeit der Welle aufzunehmen. Dann versuchen aufzustehen um dann doch wieder runterzufallen. Dann fängt das rauspaddeln wieder von neuen los. In den Surfvideos zeigen die immer nur den angenehmen Teil des Surfens, wenn man dann endlich auf dem Brett in der Welle steht. Das ist aber wirklich ein tolles Gefühl und hatte ich nach dem zweiten Tag auch richtig gut im Blut. Ich konnte dann wirklich mal sagen, “ich bin gesurft”.

Surfen bei den letzten Sonnenstrahlen

Surfen bei den letzten Sonnenstrahlen

Surfende bei Sonnenuntergang

Surfende bei Sonnenuntergang

Ein weiteres Highlight von Vancouver Island ist das Walbeobachten. Es gibt unzählige Firmen die mit ihren Booten das sogenannte Whale Watching anbieten. Meistens hat eine 3 stündige Tour einen Preis von ca 70-100 $. Für locals und Saisonarbeiter gibt es aber eine Art spezial. Wenn 10 min vor den Touren noch freie Plätze auf den Booten frei sind, dann dürfen die Locals kostenlos mitfahren. Da ich nach einigen Tagen schon viele aus dem Mitarbeiterhaus kannte, habe ich einfach einen Freund nach seiner Arbeitsbescheinigung gefragt und mich mit Suse als Local ausgewiesen und wir sind kostenlos auf ein boot gehüpft. Es war Suses dritter anlauf endlich einen Orca (Killer Wal) zu sehen. Nach ca 20 min. fahrt kam dann der Funkspruch “Orcas spotted at long beach!”. Und tatsächlich konnten wir in der Ferne die Finne von einigen Meeresbewohnern sehen. Ich wusste nicht genau wie nah man sie letztendlich sieht oder wie oft sie auftauchen. Dieses geschmeidige Auftachen der Riesen zum Atmen war richtig beeindruckend. Es waren 3 Weibchen und ein Männchen mit einer rießigen Finne. Es war so, dass sie immermal für drei bis vier atemzüge nach oben gekommen sind und dann wieder für 5 minuten verschwunden waren. Sie sind entlang der Küste in Richtung norden geschwommen um sich dort dem besseren Nahrungsangebot zu bedienen. Die Hoffnung war es, während wir die Orcas für eine Stunde begleiteten, sie bei der Jagd auf Robben beobachten zu können. Allerdings liesen sie die Robben Insel einfach links liegen.
Erlebnisfaktor: unbezahlbar!

Killer Wale

Killer Wale

Unter den ganzen Saisonarbeitern in Tofino gibt es auch Kajak Guides, die verschiedene Touren im Pazifik anbieten. Genau so ein Kajak Guide ist Mitch, ein Kumpel von Suse und den anderen Arbeitern dort. Er wollte wohl schon länger auch mal in seiner Freizeit mit ein paar Freunden eine zweitägige Kajak Tour zu einer einsamen Insel machen. Und am Sonntag 14. September haben wir uns dann in der Abenddämmerung von seiner Arbeit aus mit insgesamt 4 Kajaks (zwei doppel und ein einzel) auf den Weg zu Vagas Island gemacht. Das Wetter war super schön und keine einzige Wolke am Himmel. Nach zwei Stunden paddeln auf dem Meer an vielen kleinen Inseln und Buchten vorbei sind wir dann fast im dunkeln an dem Strand angekommen, an dem wir unsere Zelte aufschlagen wollten. Beim Anlegen an den Strand war es eine Schwierigkeit sein Boot nicht von den Wellen umstoßen zu lassen. Außerdem mussten wir die Boote weit vom Wasser wegtragen um sie und unser Lager vor den Ge zu schützen. Als wir angekommen sind war gerade Ebbe und in der Nacht würde dann Flut sein. Also mussten wir checken wie weit 6 Stunden vorher die Flut war um unsere Zelte oberhalb der Flut-Grenze aufzubauen. Als wir dann all unsere Zelte aufgebaut haben ging es ans Nudeln Kochen über dem offenen Feuer, mit anschließend Würstchen Grillen am Stöckchen. Am nächsten Morgen haben wir dann alles gemütlich zusammengeräumt und die Insel noch ein bisschen erkundet. Dabei sind uns vor allem Wolfsspuren und Bärenspuren im Sand nicht weit weg von unserem Zeltlager aufgefallen. Aufregend, dass wir in der Nacht Besuch von ein paar wilden Tieren bekommen haben.

Kajak im Sonnenuntergang mit Co-Pilotin Christine

Kajak im Sonnenuntergang mit Co-Pilotin Christine

Camp auf Vagas Island

Camp auf Vagas Island

Bei der Kajak-Tour habe ich neben den bereits gelernten Gesellschaftsspielen auch ein neues Spiel kennengelernt, das sogenannte Biersbee. Eine Kombination aus Bier trinken und Frisbee spielen. Wie auf dem Bild zu sehen werden im Abstand von ca 8 Metern zwei Stangen aufgestellt, auf denen eine leere Flasche platziert wird. Ziel ist es mit der Frisbee die Flasche seines Gegners abzuschießen. Für jeden Abschuss der Flasche gibt es einen Punkt und das Spiel ist vorbei sobald ein Team oder eine Person 3 Punkte gesammelt hat. Allerdings darf man hinter seiner Stange auch die Flasche auffangen, was allerdings relativ schwierig ist, da man nur eine Hand frei hat. Warum nur eine Hand frei? Naja, da ist ja noch der Bier-Teil. In einer Hand muss man stetig ein nicht leeres Bier haben. Wenn man die Frisbee die Stab oder Flasche nicht getroffen hat nicht fängt muss man aus seinem Bier trinken. Bei diesem Spiel gibt es noch unzählige verschiedene Regeln und Variationen. Ein Highlight ist es wenn man nach einem Treffer sowohl Frisbee als auch Flasche fängt, denn dann muss der Gegner sein Bier auf einmal leer trinken. Herzlich willkommen neues Gesellschaftsspiel 😉

Biersbee

Biersbee

Der Kajakausflug war gleichzeitig auch mein letzter Tag in Tofino. Am darauffolgenden Tag begann die nächste Mission: West Coast Trail. In einer Gruppe bei Facebook für Work and Traveler in Kanada habe ich gefragt wer daran interessiert ist den West Coast Trail gemeinsam mit mir in Angriff zu nehmen. So bin ich dann mit Suse, die in Tofino arbeitete, in Kontakt gekommen. Sie stammt ursprünglich aus Illmenau und hat Sportwissenschaften in Leipzig studiert. Daraufhin haben wir die mehrtägige Wanderung zusammen geplant. Der West Coast Trail ist im Jahr 1907 gebaut worden, um Schiffbrüchige an der Südwestküste der Insel bergen zu können. Denn entlang dieser Küste befinden sich weder Straßen noch Dörfer die Zugang zu der Küste verschaffen (siehe Karte unten). Man muss sich nämlich Vorstellen, dass es sich an der Stelle um eine Art Meerenge handelt zwischen Kanada und den USA. Schiffe die Lieferungen für Seattle oder Vancouver hatten mussten diese Strecke nehmen. Allerdings waren die Leuchttürme auf der kanadischen Seite nicht wirklich gut ausgebaut und die Schiffe sind bei schlechtem Wetter zu nah an die Küste gekommen und auf Riff gelaufen. Deshalb gibt es auf dem 75 km langem Wanderweg einige Schiffteile von früher zu entdecken. Wie schlecht das Wetter und die Sicht auf dem Meer wirklich sein kann beschreibt auch die Geschichte die ich von einer älteren kanadischen Dame gehört habe, die Jahrelang auf Leuchttürmen gearbeitet hat: Man wollte zu Begin des 20ten Jahrhunderts einen neuen Leuchtturm genau an einer Engstelle auf der Insel bauen. Ich glaube es war Camper Bay. An den Tagen an denen das Projekt startete war es allerdings sehr nebelig und eine Woche später nachdem der Nebel verzogen war, haben die Arbeiter mitbekommen, dass sie alle Materialen auf der falschen Seite der Bucht abgeladen und bereits angefangen haben den Leuchtturm zu erbauen. Schließlich hat man auch an der Stelle das Lighthouse fertiggestellt, da die neue Position nur einen geringen Nachteil darstellte.

Karte mit West Coast Trail

Karte mit West Coast Trail

Auf der Karte oben sieht man auch die beiden Start- bzw. Endpunkte der Wanderung: Bamfield und Port Renfrew. Auf Grund von mehreren Empfehlungen wollten wir die Wanderung von Süden nach Norden machen, da der Süden anstrengender war und wir dieses Stück mit vollen Kräften hinter uns bringen wollten. Um am Ziel direkt in mein Auto einsteigen zu können, sind wir also erstmal in das kleine Fischerdorf Bamfield gefahren. Von dem letzten größeren Ort vor Bamfield, Port Alberni, führte ein 75 km langer Schotterweg durch dicht bewaldetes Gebiet. Die Stoßdämpfer und Reifen meines Vans haben mir richtig leid getan und da man wegen der ganzen Löcher maximal 50 km/h fahren konnte, hat sich die Strecke ganz schön hingezogen. Auf der Strecke haben wir aber immermal einen kleinen Stopp eingelegt wie zum Beispiel am Reinbow Beach (Regenbogen Strand). Der Strand heißt so, weil eine alte Holzbrücke von einer Dame die Farbe übrig hatte in den Regenbogenfarben angemalt wurde (siehe Foto). 😉 Ich konnte es mir natürlich nicht entgehen lassen von der Brücke zu springen.

Regenbogen Brücke

Regenbogen Brücke

Am morgen des nächsten Tages haben wir uns dann gleich in die Information von dem West Coast Trail begeben um uns wie gefordert für die Strecke von Süd nach Nord anzumelden. Normalerweise benötigt man eine Reservierung, da nur eine bestimmte Anzahl an Wanderer pro Tag auf den Trail gelassen werden, aber da Ende September schon Nebensaison ist und das der letzte Monat ist in dem der Weg geöffnet hat, brauchten wir in unserem Fall keine Reservierung. Wir standen aber weiterhin noch vor der Hürde, dass wir irgendwie vom Nordende zum Südanfang ohne eigenes Auto gelangen mussten. Es gibt leider keine öffentlichen Verkehrsmittel die aus Bamfield rausgehen, sondern nur einen extra Shuttle Bus der von Bamfield nach Port Renfrew über einen Forstweg fährt. Der Haken an der Sache ist der Preis von 80 $ den wir nicht zahlen wollten. Unsere Entscheidung stand dann relativ schnell fest, wir werden Hitchhiken (Trampen, oder wie man auch sagt per Anhalter fahren). Die kurze Route über den Forstweg war allerdings so gut wie gar nicht von normalen Autos befahren, das heißt in einer Stunde warten ist dort kein einziges Auto angekommen, sodass wir wie auf der Karte zu sehen den kompletten Weg außen rum über den Highway nehmen mussten. Das bedeutete 350 km und eine Fahrzeit von normalerweise knapp 7 Stunden. Ich bin noch nie getrampt, aber Suse hat damit wohl auf der Insel schon gute Erfahrungen gemacht. Und erstaunlicherweiße hat das auch echt gut funktioniert. Aus Bamfield auf dem Schotterweg hat gleich das erste Auto angehalten, ein pick up mit einem Pärchen die Campen waren. Da konnten wir die Rucksäcke einfach drauf schmeißen und los ging es nach Port Alberni. Weitere 5 verschiedene Fahrer folgten und nahmen uns an dem Tag bis 35 km vor Port Renfrew mit. Wir waren dem Ziel, bzw. dem Start unserer Wanderung so nah. Der letzte Fahrer hat uns netterweise zu einem Campingplatz gefahren auf dem wir die Nacht verbracht haben. Wir hatten ja alles dabei um mehrere Tage ohne Zivilisation zu überleben, also kein Problem. Unter den Fahrern die uns mitgenommen haben, waren eine ältere Dame aus Vancouver die mit ihrem Mann in Bamfield segeln war, ein sehr alter Mann der seine Partnerin und ihre deutsche Schwester die zu Besuch war von der Fähre in Nanaimo abholen wollte, eine ältere Dame (Linda) aus Comox die ihre Kinder und Enkel in Victoria besuchen fuhr, eine Putzfrau die in Victoria arbeitete und ein Familienvater der seine Tochter zum Karateunterricht gefahren hat. Wir haben auf der Fahrt so viele tolle Lebensgeschichten gehört und es waren sehr spannende Erfahrungen für mich. Vor allem Linda hat uns beide beeindruckt. Sie ist mit jungen Jahren aus Toronto auf die Insel gekommen um eine Freundin zu besuchen und ungewollte schwanger geworden. Schließlich hat sie ihr Leben auf der Insel verbracht, ist um die Welt gesegelt, wohnt jetzt auf ihrem Segelboot in Comoox, hat lange auf Leuchttürmen gearbeitet und ist im Winter Skilehrerin für Behinderte Menschen. Sehr autentische Person! Sie hat auch versprochen meinen Blog zu lesen. Hello Linda, I send you lovely greetings from vancouver to comoox and i hope google translator helps to understand some of my stories. Unfortunately it didn´t work out to visit you on your sailing boot, since you were at your daughters home when i drove through comoox. Enjoy the autumn on the Island, and i hope we gonna run into each other one day again.

Zurück zu unserer Strecke. Am nächsten Morgen lagen immernoch 35 km vor Port Renfrew. Nach etwas längerem warten hielt ein Mann im mittleren Alter an der aus dem Osten von Kanada zu besuch war und die Insel mit seinem Mietwagen erkunden wollte. Er hat uns dann auch bis direkt vor die Tür zur Registrierung vom WCT (West Coast Trail) gebracht. Nachdem wir uns angemeldet haben und die Gebühr von 160 $ für Fähre, Camping und Trail bezahlt hatten mussten wir noch an einer Orientierung teilnehmen bevor wir starten konnten. In der Orientierung wurden wir über die Gefahren des Trails, Besonderheiten der Route und einige Tipps informiert. Zu den Gefahren zählten vor allem glitschige Abschnitte und steile Hänge, es wurde erklärt wie man sich zu verhalten hat wenn man Bären begegnet, dass man sein essen nie im Zelt haben sollte, da das Bären und vor allem auch Cougars anlockt. Cougars, vorher noch nie was von gehört, sind wohl eine Art Berglöwen die zur Rasse der Pumas gehören. Diese Berglöwen wurden vor allem in diesem Jahr häufiger als sonst gesehen und greifen aus dem Hinterhalt an. Im Norden der Insel wurde wohl eine alte Frau die klein und nicht mehr so stark war von so einem cougar erlegt. Ansonsten sind Begegnungen wohl eher selten und ich kann mir vorstellen dass bei diesen vorstellungen auch ein bisschen show dabei ist um den trail interessanter zu machen. Denn vorneweg, wir haben zwar Spuren im Sand gesehen und öfter auch Bären Kod, allerdings sind die Tiere doch eher scheu und meiden das Aufeinandertreffen, sodass wir keine dieser gefährlichen Waldbewohner gesehen haben.
Der Wanderweg geht zum Teil durch matschiges Gebiet des Regenwalds und zum Teil am Strand über Felsen und Sand. Wir wussten vorher das es hart wird und waren auf alles vorbereitet, vor allem haben wir mit Regen gerechnet. Es heißt ja nich umsonst Regenwald 😉 Die Dauer der Wanderung wurde mit 5-7 Tagen angegeben und wir wollten uns Zeit lassen um alles zu genießen. Nach der ganzen Vorgeschichte konnte es dann endlich losgehen. Der Track startete mit einer Fährüberfahrt durch die Pacheena Bucht. Eventuell haben sich schon einige gefragt, warum man 7 Tage für 75 km wandern benötigt. Nunja am ersten Tag haben wir in 4 Stunden wandern genau 5 km geschafft. Also fast eine Stunde wandern, oder soll ich besser sagen klettern, für einen Kilometer. Vor allem das ständige auf und ab, matschige stellen bei denen man aufpassen musste nicht stecken zu bleiben und die 22 kg Rucksack die ich auf meinen Rücken hatte, machten ein schnelleres vorankommen schwierig. Aber schon für die Szenerie an unserem ersten Camo hat sich die Mühe gelohnt, seht selbst:

Erstes Lager auf dem West Coast Trail

Erstes Lager auf dem West Coast Trail

An den ersten beiden Tagen hatten wir vorwiegend trockenes Wetter. Um am Anfang schon relativ zügig voranzukommen sind wir an den Tagen 2 und 3 jeweils 9 Stunden gewandert. Man musste nämlich auch seine Tagesetappen genau der Ebbe und Flut anpassen, da einige Passagen am Strand nur bei Ebbe zu überqueren waren. Wie zum Beispiel das Hole in the Wall (Loch in der Wand) auf dem Foto unten. Die Strecken am Strand häuften sich und je nachdem wie der Untergrund beschaffen war, konnte es entweder sehr anstrengend sein, wie zum Beispiel auf lockerem Sand oder richtig großen Felsen, oder wenn gerade Ebbe war und man auf festem Sand laufen konnte, war es hingegen sehr angenehm und schnell. Im Laufe der Wanderung macht man in den Camps schon einige Bekanntschaften die ungefähr das gleiche Tempo haben und man trifft sich von Zeit zu Zeit wieder. An den Camps macht man dann gemeinsam Feuer und tauscht sich Geschichten aus. So haben wir auch Jochen aus Darmstadt kennengelernt. Ein pensionierter netter Kerl der seinen Urlaub zwei Wochen in Canada verbrachte und den West Coast Trail auf eigene Faust mit einem kleinen Buch organisiert hat. Der Mann hat mich an einem Tag besonders glücklich gemacht: Als es einen ganzen Tag lang leicht regnete und wir uns schon darauf vorbereitet haben im nassen unser Zelt aufbauen zu müssen haben wir in einer Felswand eine Trockene Höhle entdeckt in der wir unser Lager aufbauten. Zur Krönung hat dann Jochen aus seiner REWE Tüte dunkles Körnerbrot und Knackwurst rausgeholt. Ein Traum! Im Gegenzug haben wir dann auch unsere Mahlzeit des Abends, Reis mit Fleisch und Gemüse aus den Astronauten Tüten, mit Jochen geteilt. Unser Speiseplan bestand hauptsächlich aus Haferschleim und Müsli am Morgen, Studentenfutter und Nüssen zum Mittag, zum Abendessen gab es dann Nudeln oder diese sehr energiehaltigen Menüs die getrocknet sind. Man muss denen nur heißes Wasser zuführen, den Zip Verschluss wieder zu machen und ein bisschen warten bis alles wieder gar ist. Der Vorteil ist zum einen, dass es sehr leicht für den Transport ist und zum anderen man direkt aus der Tüte essen kann ohne Geschirr zu verschmutzen. Ein Highlight gab es dann noch bei circa der hälfte der Strecke. Bei einer weiteren Fährstelle war ein Indianer Reserve und die First Nations oder Natives wie sie hier genannt werden haben den erschöpften Wanderern frischen Lachs und Krebs angeboten. Mit 25 $ kein Schnäppchen, aber es hat sich definitiv gelohnt. Den kompletten Müll der auf der Wanderung anfällt muss man natürlich sammeln und bis zum Ziel mit transportieren. Die letzten Tage an denen der Regen immer stärker wurden, waren nochmal eine ziemliche Zerreisprobe für Körper und Seele. Tiefpunkt war die letzte Nacht, als ein richtiger Sturm aufgebrochen ist und ich am nächsten morgen in diese pitsch nassen Wanderschuhe schlüpfen musste um die letzten 12 km, die wir dann in 4 Stunden laufen konnten, zu bewältigen. Auf den letzten Metern war es dann aber einfach ein Gefühl des Stolz und der Befriedigung, dass man diese Herausforderung gemeistert hat. Ich finde im nachhinein die Angabe von 5-7 Tagen ganz gelungen, da wir ca 5,5 Tage gebraucht haben. Für die Planung würde ich mir aber eher eine Zeitangabe in Stunden die ich effektiv Wandern muss wünschen. Ich als durchschnittlich fitte Person bin für die 75 km insgesamt 40 Stunden gewandert. Das kann man sich dann einteilen wie man will, z.B. könnte man 4 Tage 10 Stunden wandern oder 10 Tage lang nur 4 Stunden. Keine Grenzen! Es müssen wohl auch schon Leute in 22 Stunden am Stück gerannt sein…
Ich muss jetzt auch dem Reiseführer recht geben, in dem geschrieben war: It hurts, but you will want to do it again next year (Es tut weh, aber du wirst es nächstes Jahr wieder machen wollen). Und da es mir wirklich spaß gemacht hat einfach für mehrere Tage ohne groß Kontakt zur Außenwelt zu wandern, habe ich mir vorgenommen den Rennsteig komplett zu wandern wenn ich zurück in Deutschland bin. Immerhin habe ich ja jetzt Backpacker Erfahrungen. Obwohl wir immer zu zweit unsere Abschnitte geplant haben gab es immerwieder Teile in denen man komplett alleine durch den Regenwald gelaufen ist, da man manchmal unterschiedliches Tempo hat oder der eine mal eine Pause mehr benötigt. Das ist genau das Gefühl was der West Coast Trail ausmacht. Die körperliche und seelische Anstrengung bei denen man an seine Limits geht, gepaart mit der Schönheit die dieses Land zu bieten hat. Ich würde jedem empfehlen einen solchen Pfad mal zu wandern um mehr über sich selber kennenzulernen.

Zahlreiche Treppen galt es zu überwinden - Guten Morgen sagen da die Beine

Zahlreiche Treppen galt es zu überwinden – Guten Morgen sagen da die Beine

Loch in der Wand

Loch in der Wand

Unsere Höhle mit deutschen Knackwürsten

Unsere Höhle mit deutschen Knackwürsten

Angekommen am Ziel wartete eine gekühlte Coke in meinem Auto auf uns und ein frischer Apfel vom Baum dahinter. Das haben wir uns verdient. Auch Jochen ist nahezu zeitgleich mit uns angekommen und wir hatten uns schon ein paar Tage vorher verständigt, dass wir ihn in unserem Auto mit aus Bamfield nehmen können. Er wollte letztendlich nach Victoria. Das passte mir eigentlich ganz gut, da Marion mir in der Zeit geschrieben hat ob ich nicht Lust habe in Victoria auf ein Musik und Kunst Festival zu gehen. Also bin ich mit Jochen nach Victoria gefahren, vorher haben wir noch Suse an der Fähre in Nanaimo abgeliefert. Sie wollte zurück aufs Festland um sich auf den Weg nach Revelstoke zu machen, wo sie den Winter zum Skifahren verbringen möchte. Also war ich wieder zurück in der WG in Victoria und wir besuchten an den folgenden drei Abenden verschiedene Konzerte von lokalen Bands. Schlafen konnte ich wieder bei Marion. Thank you Marion for the time I could spent with you in Victoria. The time was much more enjoyable with you and i learned a lot of you about nature and the attitude about environment. Thank Brayden and JP for hosting as well and for the best apples! You guys are awesome…
Das war nochmal ein kleiner Gruß an meine kleine Familie in Victoria. Die Leute dort waren wirklich mega cool und haben für viele Dinge komplett andere Einstellungen als ich sie bisher kenne. Total naturverbunden und locker drauf. Zum Beispiel organisieren sie immer ein sogenanntes Beach Cleaning, also ein Reinigen der lokalen Strände. Dabei wandern sie einsame Strände ab und sammeln Müll der zum Teil vom Meer angespült wurde oder von Wanderern hinterlassen wurde. Und speziell nach dem Tsunami in Japan wurde sehr viel Müll an der Westküste von Kanada angespült. Außerdem veranstalten sie immermal einen Kunstabend, bei dem einfach jeder mal ein bild malt oder eine collage bastelt, sehr inspirierend. Auch sehr sportlich haben wir uns dort beschäftigt, und haben Tennis gespielt.

Marion, Melissa und Shawn am Sombrio Beach

Marion, Melissa und Shawn am Sombrio Beach

Aber auch die Zeit in Victoria musste mal zuende gehen, und ich wollte noch ein bisschen mehr von der Insel erkunden bevor es zurück auf das Festland geht. Also habe ich mir den kompletten Insel Highway bis in den Norden nach Port Hardy vorgenommen und wollte an empfohlenen Sehenswürdigkeiten anhalten. Die Tour hat mich dann weitere 6 Tage gedauert. In der Zeit habe ich z.B. die Sooke Potholes im Provincial Park angeschaut, ein Fluss der durch mehrere kleine Wasserfälle immer kleine Becken ausgehöhlert hat. Auf der Reise ging es dann weiter nach Qualicum Beach wo ich sowohl die Wasserfälle des Little Qualicum River als auch das erste mal die Lachs Wanderung im Fluss und der Brutstelle beobachtet habe. Es ist wirklich so wie in den ganzen Dokumentationenen. Die Flüsse sind voll mit großen Lachsen. Das sieht dann so aus, dass sie sich meistens an rühigeren Stellen ausruhen und dann Schritt für Schritt Flussaufwärts schwimmen, zum Teil springen (die Coho Art). Aus dem Ozean gestärkt kommend folgen sie ihrem Instinkt wenn sie geschlechtsreif sind und kehren an ihre Geburtsstelle zurück um für Nachwuchs zu sorgen. Auf dem ganzen Weg essen sie so gut wie nix und sterben nachdem sie Eier abgelegt bzw. diese besamt haben vor Erschöpfung. Es hat mich am Anfang verwundert wie viele tote Fische im und neben den Flüssen liegen, aber die Nährstoffe die sofort in das Grundwasser gelangen sind super wichtig für die Pflanzen und umsonst haben die Jungs dort auch nicht so einen dichten Wald. Den Abend habe ich dann am Qualicum Beach verbracht und einen seher atemberaubenden Sonnenuntergang gesehen. Es sah echt aus, als wenn der Berg brennt (siehe Foto).

Sonnenuntergang am Qualicum Beach

Sonnenuntergang am Qualicum Beach

GoPro Foto Lachs Wanderung

GoPro Foto Lachs Wanderung

Ein weiterer Geheimtipp von Einheimischen auf dem Weg nach Norden waren die Höhlen am Horne Lake. Ein Provincial Park in dem man an geführten Touren teilnehmen kann, aber auch einige Höhlen auf eigene Faust erkunden kann. Ich habe mich für die einsame Tour entschieden. Das läuft so ab, dass man sich an der Registrierung anmeldet, ein Video anschaut und dann mit einer Karte der Höhlen ausgestattet auf Entdeckungstour macht. Das war wiedermal eine Grenzerfahrung auf dem Bauch kriechend 50 meter in einer Höhle zu sein. Ich hatte nur meine kleine Stirnlampe die zum Glück durchgehalten hat. Von Campbell River, die letzte größere Stadt im Norden ging es dann nochmal 300 km bis ganz in den Norden nach Port Hardy. Auf der Strecke hätte ich beinahe meinen Van trocken gefahren. Es ist gar nicht so einfach seine Tankfüllungen zu managen, da oftmals kilometerweit oder wie hier 300 km lang keine Tankstelle kommt. Und meine Tankanzeige spinnt auch noch rum, sodass ich es gerade so zur Tankstelle in Port Hardy geschafft habe. Aber so richtig angst hatte ich nie, da mein Reserve Kanister im Kofferraum immer mit 20 litern nachschub gefüllt ist. Der Norden ist rau und wild. In Port Hardy gibt es einen großen Hafen und viele First Nation Bewohner. Es war mal ganz schön zu sehen, aber auch etwas erschreckend wie viel Wälder dort abgeholzt werden. Zu der Umweltproblematik schreibe ich in einem der nächsten Artikel mal ein bisschen was genaueres.
Auf dem Weg zurück habe ich in Campbell River durch Zufall Mitch, den Kajak Guide, auf einem Parkplatz vor dem Supermarkt getroffen. Seine Saison in Tofino ist vorbei und er besucht gerade einen Freund in Campbell River. Sie haben mich auch gleich eingeladen mit zu seiner Holzhütte im Hinterland von Campbell River zu fahren und den Tag noch zu verbringen. Dieses Heim von Chris ist Kanada, ein Holzhaus im Wald an einem Fluss mit Hunden und großem Garten mit Lagerfeuer! Den Abend haben wir mit einigen Runden Biersbee, Nudel kochen und Lachse fangen im Fluss der durch den Garten floss verbracht. Die Lachse sind wie schon beschrieben nach der Wanderung sehr erschöpft und man kann sie wort wörtlich mit der Hand fangen. Leider sind die Jungs auch schon ziemlich alt, sodass es sich nicht wirklich lohnt das Fleisch zu essen. Also haben wir die Lachse wieder in den Fluss gegeben und für die Bären übrig gelassen damit die nen ordentlichen Winterspeck bekommen!

Meine Pink-Salmon Freundin

Meine Pink-Salmon Freundin

Am nächsten Morgen ging es dann wieder auf die Fähre. Von Nanaimo bin ich in die Horseshoe Bay nördlich von Vancouver gefahren. Von dort aus waren es 20 minuten mit dem Auto nach Vancouver. Die Fährfahrt habe ich diesmal bei Tageslicht etwas besser genießen können.
Jetzt bin ich wieder hier in Vancouver, Kulturschock! Von der Wildnis der Insel in eine Großstadt…

Hier habe ich jetzt 3 Tage zeit gehabt um alles erlebte etwas zu verarbeiten. Am 7. Oktober fahre ich dann nach Seattle um in einem US-amerikanischen Outlet Store Winterklamotten zu kaufen und meine Freundin Tamara aus Deutschland vom Flughafen abzuholen. Nach Seattle werde ich wohl 2 Stunden mit dem Auto fahren. Ich hoffe mal dass mich die Amerikaner reinlassen. Mit Tamara werde ich dann zwei Wochen mit Wanderungen und Bungee Jumping rund um Whistler, einigen Tagen in Vancouver und Seattle verbringen. Ich habe auch schon für uns und einige Freunde hier Tickets für das zweite Eishockey-NHL Heimspiel der Vancouver Canucks gegen die Tampa Bay Lightnings bestellt, das wird ein Highlight.
Nach den zwei bis drei Monaten Reisen werde ich wohl im November arbeiten, bevor es für den Winter ab 1. Dezember in Whistler als Skilehrer losgeht. Dort werde ich wohl auch noch einen Nebenjob brauchen da die Skiwoche nur 5 Tage beträgt und das Leben dort teuer ist. Unter Zweitjob habe ich mir Kellnern in einer Bar an zwei bis drei abenden in der Woche vorgestellt. Ansonsten denke ich, dass ihr rauslesen könnt, es geht mir gut und ich genieße weiterhin die Zeit hier in Kanada.
Wenn ihr noch mehr Fotos als hier sehen wollt, könnt ihr gerne in mein Album hier bei Picasa Web schauen:

https://picasaweb.google.com/117856915589512873100/CanadaWorkTravel1415?authuser=0&feat=directlink

Ansonsten grüße ich alle die meinen Blog verfolgen und immermal an mich denken. Lasst es euch gut gehen und genießt den Herbst in Deutschland oder wo auch immer ihr gerade steckt.
Ich habe immer von der Familie und Freunden zugeflüstert bekommen, dass doch einige meine Texte lesen. Ich hoffe es gefällt euch und wenn ihr euch mal persönlich bei mir melden wollt, könnt ihr mir jederzeit eine e-mail an paul.weitz@gmx.de senden.

Gruß, euer paul